Die Bahnpost
 

Postbeförderung mit der Bahn
von Schweinfurt nach Meiningen bis 1945
(Bahnpost)

Der Bau der Eisenbahnverbindung zwischen Meiningen bzw. Ritschenhausen und der bayerischen Landesgrenze bei Mühlfeld erfolgte entsprechend dem Staatsvertrag vom 21. März 1868 zwischen Bayern und Sachsen-Meiningen.

Eröffnet wurde die Strecke Meiningen - Ritschenhausen - Rentwertshausen - bayerische Landesgrenze - Ebenhausen - Schweinfurt am 15. 12. 1874. Sie brachte den Anschluss an die Bayerische Staatseisenbahn in Richtung Schweinfurt und Würzburg. In Ritschenhausen erfolgte die Übernahme der Züge durch bayerische Eisenbahn- und Postbeamte. Die damit verkehrenden Bahnposten Meiningen - Würzburg und Meiningen - Schweinfurt beförderten Postsendungen jeder Art in beiden Richtungen. Sie unterstanden der Leitung und Beaufsichtigung des Postdienstes des Königlich-Bayerischen Oberpostamtes in Würzburg. Im Jahre 1898 wurden diese Bahnpostkurse dem Bayerischen Bahnpostamt in Würzburg unterstellt.

Zur Aufgabe von Bahnpostsendungen bestand auf den größeren Bahnhöfen neben dem Bahnhofsbriefkasten eine Bahnhofsexpedition. Die Entwertung von eingelieferten Sendungen erfolgte mit einem dreizeiligen Streckenstempel. Ende der achtziger Jahre führte die Bahnhofsverwaltung ovale Bahnpoststempel ein. die bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in kleinem (32,5 x 27,0 mm), von da ab im größerem Format (39.0 x 28,5 mm) benutzt wurden. Um das Jahr 1885 ist ein Kursstempel der Königlich-Bayerischen Bahnpost "Meiningen - Oberndorf" (bei Schweinfurt) bekannt.

Im Herzoglich-Sächsisch-Meiningischen Regierungs- und Intelligenzblatt Nr. 99 vom 11. Dezember 1858 veröffentlichte der Ober-Post-Commissar v. Röder folgende Bekanntmachung:

Vom 4. d. M. an kursieren im Großherzogthume Meiningen und in den Herzogthümern Gotha und Coburg folgende an die Züge der Werrabahn (... Coburg - Eisfeld - Grimmenthal - Meiningen - Eisenach ...) anschließende Posten: ............

"... 7. eine tägliche Personenpost (Postkutsche) zwischen Meiningen und Schweinfurt:
Abgang aus Meiningen 7 Uhr Abends
Ankunft in Schweinfurt 3 1 / 2 Uhr früh
Abgang aus Schweinfurt 8 Uhr früh
Ankunft in Meiningen 4 1 /2 Uhr Nachmittags ..."

Mit Eröffnung der Eisenbahnverbindung Meiningen - Schweinfurt 1874 wurde diese Personenposten (Postkutschen) hinfällig. Die Eisenbahn diente fortan als Beförderungsmittel. Seit den 1920er Jahren erlangte die Strecke Grimmenthal - (Meiningen) - Schweinfurt eine größere Bedeutung. Die im Sommer 1928 durchgehenden Züge Berlin - Erfurt - Plaue - Ritschenhausen - Ebenhausen - Schweinfurt - Würzburg -Stuttgart waren in den Zugpaaren

FD 12/11 - Berlin - Stuttgart - Zürich - Italien (und zurück)

D 32/33 - Berlin - Stuttgart (und zurück)
Mit Kurswagen von und nach Bad Kissingen und Ludwigshafen

D 35/36 - Berlin - Bad Kissingen (und zurück)
und
D 38/37 - Berlin - Stuttgart - Mailand - Rom (und zurück)
mit Kurswagen von und nach Bad Kissingen und Saarbrücken

von Bahnposten Berlin - Würzburg des Bahnpostamtes 2 Berlin begleitet. die eine Umarbeitung von Postsendungen jeder Art vornahmen. Das Bahnpostamt Berlin SW 11 betreute bis 1945 die Strecke Erfurt - Ritschenhausen - Würzburg.

In den von den größeren Unterwegsbahnhöfen ausgehenden Anschlusszügen zu diesen Zugpaaren fand eine Beförderung von gewöhnlichen und eingeschriebenen Sendungen in einer Bahnpost statt, oder diese Briefposten wurden durch Postpersonal in einem Eisenbahngepäckwagen befördert und unterwegs - wie auch in Ebenhausen - der Bahnpost Berlin - Würzburg - Berlin übergeben bzw. von dort übernommen. Gleichzeitig wurden von dieser Bahnpost Briefsendungen zur Weiterbearbeitung von den Unterwegspostämtern übernommen bzw. an diese übergeben.

Anfang April 1945 erfolgte der Einmarsch der amerikanischen Besatzungstruppen auch in Thüringen. Am 4. Juli 1945 zogen sich die amerikanischen Truppen hinter die westliche, vertraglich festgelegte Demarkationslinie zurück und übergaben am 6. Juli 1945 die Befehlsgewalt in Thüringen der Sowjetischen Militäradministration.

Damit wurde die wichtige Eisenbahnstrecke Würzburg - Ebenhausen - Erfurt - Leipzig - Berlin durch die Sowjetischen Militärmachthaber zwischen Rentwertshausen und Mühlfeld unterbrochen.
Dies war auch das Ende der Postbeförderung auf dieser Strecke.

 

 

Quellen: Meininger Briefmarkesammlerverein e.V. Meiningen, 1991

Amtliches Kursbuch (Bayern, rechts des Rheins) - Sommer 1928
Deutsche Reichbahn-Gesellschaft

Ergänzt und für elektronische Medien aufbereitet durch Eberhard Farrnbacher im Februar 2001.

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